Montag, 17. April 2017

Ausflug am Ostermontag: Kpalimé


Heute am Ostermontag klingelte mein Wecker schon um 4.30 Uhr. Der Grund war jedoch ein sehr erfreulicher, sodass das frühe Aufstehen gleich viel leichter fiel.
Wir nutzten den freien Tag nämlich, um mit den Kindern einen Ausflug nach Kpalimé zu unternehmen.
Es ist die viertgrößte Stadt Togos und liegt 120 km von Lomé entfernt an der Grenze zu Ghana. Bekannt sind vor allem die Wasserfälle der Region und dahin sollte es auch uns führen: Zum Wasserfall von Womé.
Mit einstündiger Verspätung ging es mit einem vollen Bus und lauter aufgeregter Kinder los. Dabei waren die Mädchen aus dem Aufnahmehaus, einige Schüler der classe relais und die Mitglieder des Kinder- & Jugendclubs.
Erst einmal wurde sich mit dem typisch togoischen Frühstück bouille, ein Maisbrei (erinnert mich ein wenig an Milchreis) und beignets, frittierten Teigteilchen (ähnlich wie Mutzen) gestärkt und nach knappen drei Stunden Fahrt erreichten wir unser Ziel.
Wir wanderten circa vierzig Minuten und machten dann am höchsten Punkt der Strecke Mittagspause. Nun wurde alles entweder getragen oder mit Motos hochgefahren, da es an diesem Punkt der Strecke einen schönen Picknicksplatz gibt.
Das Essen wurde am Wochenende von den Kollegen und das Hausmama vorbereitet. Zu essen gab es pâte, ein fester Maisbrei, mit Tomatensauße und Fisch.
Gestärkt ging es nun an den anstrengenden Teil der Strecke, ein sehr steile Steintreppe, die uns hinabführte zum Flusslauf, der dem Wasserfall entsprang. Als der Abstieg jedoch erst einmal von allen bezwungen war, hörten wir schon bald das viel versprechende Rauschen und schon sahen wir den Wasserfall.
Endlich mal wieder raus aus der Stadt inmitten der Natur zu sein, tat unheimlich gut und es war wirklich traumhaft schön.
Es dauerte nicht lang und wir tummelten uns alle im kühlen Nass, was eine angenehme Erfrischung war nach dem Marsch in der Mittagshitze.
Anschließend ging es ein bisschen müde, aber sehr zufrieden zurück zum Bus, wo es noch einmal Kekse und Bonbons für alle gab als Belohnung, dass sie alle so toll mitgemacht und durchgehalten haben.
Am Abend sind wir dann gegen 18.30 Uhr wieder am Centre in Lomé angekommen.

Akélé und Tanti, Schülerinnen der classe relais.
Akélé



cascade de womé

Mafille und Ayélé, ebenfalls Schülerinnen der classe relais.


Freitag, 7. April 2017

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Hallo ihr Lieben,

hier mal einige Bilder aus den letzten Wochen.
Da ich die Blogeinträge momentan am Handy schreibe, kann ich leider keine Bildunterschriften einfügen. 

Erst einmal einige Eindrücke aus der Arbeit....

Meine liebe Kollegin Zoulèha, die Bastelrunde macht Nasenkneifer und das Ergebnis. Spiele mit den Mädchen und einige Impressionen aus dem Unterricht.

Dann seht ihr zwei Bilder von "Midjo Togo", wo ich seit neustem tanze.

Und ansonsten nach zwei Bilder aus der WG.
Einmal meine Mitbewohnerin Lea und ich beim Waschen am Sonntag. Zusammen macht die Hausarbeit natürlich viel mehr Spaß. :-)

Und dann ein WG Bild in unserem gemeinsamen pagne. Das bedeutet hier, dass man zusammengehört.                              Leonie, Sjard, ich, Lea und Stella.

Unsere liebe Leonie musste leider aus gesundheitlichen Gründen nach Deutschland fliegen. Die Gesundheit geht natürlich vor, aber sie fehlt uns sehr, wächst man doch sehr zusammen.

Zu guter Letzt eine liebe, fast mütterliche Freundin von uns, Rose, die zusammen mit ihrem Mann Roger eins unserer Lieblingsrestaurants betreibt.

Freitag, 31. März 2017

Vom Lernen und Lehren

"Ein Kind, ein Lehrer, ein Stift und ein Buch können die Welt verändern."
Malala Yousafzai, Friedensnobelpreisträgerin 2014

Hallo ihr Lieben!
Wie ich höre, kommt der Frühling zu euch. Genießt die Sonnenstrahlen!

Nach den ersten Wochen auf Arbeit wollte ich mal ein wenig berichten, was sich verändert hat und wie es so läuft.

Verändert haben sich meine Arbeitszeiten sowie meine Aufgaben. Anstelle von 40 Stunden mache ich nun 31, was bedeutet, dass ich einen freien Nachmittag pro Woche habe.

Vormittags unterrichte ich zwei Stunden die Mädchen aus dem Aufnahmehaus und danach die classe relais, also die Kinder, die auf dem Markt arbeiten. 
An den Nachmittagen nehme ich entweder an Besprechungen teil, helfe in der Bibliothek oder verbringe die Zeit mit den Mädchen.(Spiele, basteln, Sport etc.)
Nach wie vor macht mir die Arbeit Spaß und ich mag alle meine Aufgaben gern. :-)

Dadurch, dass ich nun anstelle der Kleinkinderbetreuung am Vormittag, mit den Mädchen arbeite sowie auch die meisten Nachmittage, bauen wir nun eine enge Bindung zueinander auf.
Die Mädchen sind Opfer von sexueller, körperlicher oder seelischer Gewalt und werden medizinisch und psychologisch betreut und juristisch vertreten.
In der Regel bleiben sie bis zu 3 Monate und dann versucht man sie möglichst in familiäre Strukturen einzugliedern (wieder in die eigene Familie, zu nahen Verwandten oder Bekannten) und wenn dies nicht möglich ist in Institutionen wie Heime oder Ausbildungsstätten. Das centre erklärt den Fall dann aber nicht für abgeschlossen, sondern betreut die Mädchen noch lange darüber hinaus, um sicherzugehen, dass alles in den richtigen Bahnen verläuft.

Momentan sind es sechs Mädchen im Haus. Zwei zwölf-Jährige, die anderen sind 16/17 Jahre alt. Sowie der Großteil der Mädchen, den ich kennengelernt habe bis jetzt, sind es auch jetzt wieder sehr starke Charaktere.
Ich lerne die Mädchen meist erst einmal kennen und erfahre einige Tage später, aus welchem Grund sie zu uns gekommen sind. Momentan sind wirklich einige sehr erschreckende Geschichten dabei (wobei man das natürlich nicht klassifizieren kann, letztendlich kommen sie ja alle her, weil ihnen etwas Schlechtes widerfahren ist.)
Dieser Teil der Arbeit fällt mir am Schwersten. Die Geschichten zu hören und dann so toughen, aufgeschlossenen und lieben Mädchen gegenüber zu sitzen im Wissen, was ihnen passiert ist.

Momentan fordert mich die Arbeit mit ihnen sehr, da sie wie schon gesagt, sehr starke Persönlichkeiten sind und teilweise auch echt pubertär. Wie äußert sich das? Zum einen kämpfen sie sehr um meine Aufmerksamkeit und Anerkennung, gleichzeitig testen sie ihre Grenzen aus und können z.Bsp. mit Berichtigungen im Unterricht nur schwer umgehen. Da ist es schwierig für mich als Bezugs-, aber auch Respektperson meiner Aufgabe gerecht zu werden.
Am Anfang der Woche kam es dazu, dass ich zwei Mädchen aus dem Unterricht geschickt habe, um mit Extra-Aufgaben zurück ins Haus zu gehen, da sie einfach nicht aufgehört haben, Ewé zu reden. Das ist zum Einen unhöflich, da ich es nicht verstehe, aber vor allem ist es eine grundlegende Regel, dass während des Unterrichts bei uns wie auch beim Unterricht in den Schulen Französisch gesprochen wird. Da meine Ermahnungen aber scheinbar "ins eine Ohr rein und ins andere raus" gingen, sagte ich irgendwann, dass die Nächste, die sich nicht daran hält, zurück ins Haus gehen müsse. Tja, dann muss man auch Wort halten... Ich war selbst überrascht, wie konsequent ich mich in diesem Moment durchgesetzt habe, denn die beiden haben wirklich mit allen Mitteln versucht, mich umzustimmen (Mitleid, Reue, Bockig-Sein, Ausreden... ). Ausgerechnet diese Beiden suchen normalerweise besonders meine Nähe, aber in diesem Moment waren sie natürlich überhaupt nicht einverstanden mit mir. Letztendlich sind sie dann gegangen und ich habe mich wirklich gefragt, wie die Reaktion am nächsten Tag wohl ausfallen würde. Würden sie es verstehen oder bockig mit mir sein?
Am folgenden Tag kamen die Mädchen in den Unterricht, ihre Aufgaben vorbildlich gelöst und nun bemühen sich alle sehr Französisch zu reden. Wir haben noch einmal darüber gesprochen, dass es mir ja nicht darum geht, jemanden auszuschließen oder mich zu demonstrieren, aber dass ich erwarte, dass wir uns gegenseitig mit Respekt begegnen und uns eine gute Atmosphäre zum Lernen schaffen und nicht nur beim Spielen Spaß haben und gut miteinander umgehen.
Im Endeffekt war es richtig, einmal durchzugreifen und an den Reaktionen habe ich ja auch gesehen, dass es sinnvoll war. Trotzdem ist das in dem Moment selbst gar nicht so leicht.
Da musste ich an die Worte einer früheren Lehrerin denken: "Ich wusste nicht, ob ich als Lehrer oder Mensch handeln sollte."
Damals fand ich das ziemlich witzig, aber nun stehe ich oft selbst in einem ähnlichen Zwiespalt. Auf der einen Seite weiß ich, dass es wichtig ist, dass die Mädchen sich untereinander austauschen und bin froh, wenn sie das Passierte verarbeiten, gleichzeitig ist in den zwei Unterrichtsstunden am Tag nicht der richtige Zeitpunkt dafür und sie profitieren, wenn sie etwas Lernen, was ihnen im späteren Leben hilft, ihren Lebensunterhalt  (unabhängig) zu verdienen und ich ihnen somit auch nicht alles durchgehen zu lassen.

Ja, wir entwickeln uns zusammen weiter, lernen von- & miteinander. An jedem Tag wartete etwas Neues auf uns, wir gehen ein Stück unseres Weges zusammen und oft bedeuten die Kleinigkeiten des Alltags am Ende am Meisten.

Ganz liebe Grüße an euch alle,
bis bald,
à bientôt,

Tabea

Freitag, 17. März 2017

"Wie ist es denn da so?"

Hallo ihr Lieben!

Da ich nun während meines Aufenthaltes in Deutschland so einige Fragen gestellt bekommen habe und einige immer wieder, dachte ich, schreibe ich diese mal auf, da sie vielleicht noch einige mehr interessieren.

Wie warm ist es?
Als wir im August ankamen waren es im Schnitt um die 28 Grad, da es der kälteste Monat ist. Momentan ist es jedoch sehr warm, bis zu 45 Grad, und wird Richtung Regenzeit, die im Mai langsam kommt, wieder kühler. Anstrengend ist für uns jedoch vor allem die Luftfeuchtigkeit, die sehr hoch ist.

Cremst du dich jeden Morgen mit Sonnencreme ein?
Zum Glück nicht, es ist auch so klebrig genug. :-D Hier befindet man sich, soweit es sich vermeiden lässt, nicht in der direkten Sonne, weil es einfach zu warm ist. Wir cremen uns höchstens ein,wenn wir mal an den Strand gehen.

Wie fährt man Moto?
Ein freies Moto zu finden ist aber der Anzahl an Fahrern nicht schwer. Eigentlich reicht es am Straßenrand zu warten (wenn man einen Helm bei sich hat, wird man sowieso erkannt).
Freie Motos machen durch Hupen auf sich aufmerksam, allerdings gibt es auch andere Gründe zum Hupen. Ansonsten rufen die Fahrer auf Ewé "Oleyah?" so etwas wie "Fahren wir?".
Man kann auch auf sich aufmerksam machen indem man die Hand hebt oder eine "Komm her" Bewegung macht. Sehr verwirrend, da man die Hand vom Körper wegbewegt sowie bei uns "Geh weg". Viele machen auch "ksss"-Laute oder ein schmatzendes Geräusch, indem man den Mund wie zum Pfeifen formt und die Luft einzieht.
Ist ein Moto gefunden, gibt man das Ziel an. Es gibt zwar auch einige Straßennamen, aber man nutzt diese nicht. Stattdessen orientiert man sich an Kreuzungen, Schulen, Märkten etc. und sagt ab dort den weiteren Weg an.
Der wichtige Teil sind allerdings die Preisverhandlungen. Diese sollte man machen bevor man fährt, denn sonst verlangt der Fahrer oft im Nachhinein einen höheren Preis als man selbst erwartet hat.
Wenn das alles erledigt ist, steht der Fahrt nichts mehr im Wege. Wie man auf Ewé sagt "Midjo". (Los geht's.)

Sind die Leute denn alle arm?
Armut ist natürlich eine Perspektivenfrage. Bei uns kann jemand mit einem Einkommen von einigen hundert Euro im Monat als arm gelten. Die Armutsgrenze variiert von Land zu Land.
Schlägt man sich mal durch den Dschungel aus Statistiken findet man verschiedene Angaben. Es leben wohl zwischen 30%-70% (keine sehr genaue Angabe, ich weiß) der togoischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Diese Zahl spricht für sich. Es gibt natürlich auch sehr wohlhabende Leute. Es kommt mir so vor, als wenn die Spanne zwischen arm und reich nicht so stark auseinander liegt wie in beispielsweise Deutschland oder Südafrika. Das Leben ist in vielen Hinsichten anders als in Europa, aber die Bilder von Slums, Kindern mit Hüngerbäuchen und Fliegen in den Augen, die in unseren Medien oft mit Afrika in Verbindung gebracht werden,prägen unseren Alltag nicht.

Aber die Menschen sind ja arm trotzdem glücklich, oder?
Die Frage wurde mir so häufig gestellt! Niemand ist glücklich, der nicht weiß, ob es am Monatsende reicht, um sich lebenswichtige Dinge zu finanzieren. Wenn eine Mutter zu uns ins Projekt kommt und um Unterstützung bittet, da sie das Schulgeld nicht mehr zahlen kann und das Kind sonst mit ihr arbeiten muss, ist sie nicht glücklich.
Wenn ein Mensch hier verstirbt, da er sich den Arzt nicht leisten kann. Sind seine Angehörigen "trotzdem glücklich"?
Ich denke, die Absurdität der Frage liegt auf der Hand.
Aber ja, die Menschen leben ihr Leben trotzdem. Der Alltag hier kommt mir oft im Vergleich zum Unseren in Deutschland härter vor, sind bei uns viele grundlegende Dinge gesichert durch Versicherungen, staatliche Unterstützung, Zugang zu einem guten, kostenlosen Bildungssystem etc.
In Deutschland ist meckern auf hohem Niveau ein Luxusproblem, was sich die meisten Menschen hier nicht leisten können.

Ist es gefährlich?
Auch diese Frage lässt sich natürlich nicht eindeutig beantworten. Ich fühle mich sicher hier, wir können abends ohne Probleme ausgehen oder bei der Bank Geld holen ohne danach einen Überfall zu fürchten. Vorsichtig sein sollte man aber immer. Abends allein durch die Straßen spazieren geht nicht. Sollte man aber in den Vierteln einiger deutscher Großstädte auch nicht tun. In London, Paris und Co. muss man auch auf seine Handtasche achtgeben und nicht offen rumtragen.
Insgesamt gilt Togo aber als eines der sichersten Länder Afrikas. Da es verhältnismäßig wenig Tourismus gibt, gibt es auch keine Kleinkriminellen, die sich auf den Diebstahl bei Weißen, also vermutlichen Touristen, spezialisiert haben und davon leben können. Trotzdem ist es eine Hauptstadt in der viel los ist. Also...Vorsicht gehört dazu, man sollte auf sein Bauchgefühl hören und auch Glück gehört wohl dazu.

Nachtrag: Gibt es dort Strom,Wasser und Internet?
Am Bestehen des Blogs kann man sich wohl schon 2 Punkte selber erklären. Wir nutzen hauptsächlich das Internet unserer SIM Karten oder Internet Cafés, es gibt aber auch Internetsticks oder die Möglichkeit sich WLAN installieren zu lassen.
Wir haben in unserer Wohnung fließendes, kaltes Wasser. Viele unserer Nachbarn haben einen solchen Zugang nicht. Das ist also nicht grundsätzlich zu sagen. Bis auf einige Ausfälle von Wasser oder Strom von Zeit zu Zeit, gibt es also kaum einen Unterschied für uns. Ärgerlich wird es nur, wenn man gerade einshampooniert unter der Dusche steht und auf einmal kein Wasser mehr kommt... :-D

So, diese sind mir erstmal am meisten im Gedächtnis geblieben.
Die Fragen "Was gibt es da so zu essen?" und "Was machst du den ganzen Tag so?" beantworte ich nochmal extra. ;-)

Auf die Frage, wie es hier so ist, kann ich nur für mich sprechen... Ich bin sehr glücklich, genieße das Leben hier und bin froh, die Chance erhalten zu haben, in diesem Land einige Zeit zu leben und viele tolle Bekanntschaften machen zu können.

Ganz liebe Grüße,
à bientôt

Tabea

Dienstag, 14. März 2017

Bienvenue au Togo - Wœzõ loo

Ihr Lieben,
ich hoffe, es schaut überhaupt noch jemand auf den Blog! ;-)

Wie man es am Titel erkennen kann...Ich bin wieder in Togo!
Am Samstag bin ich angekommen und wurde ganz lieb empfangen.
Im Taxi vom Flughafen in die WG stritten die Gefühle in mir, kam mir alles sehr vertraut, aber auf einmal doch auch fremd vor. Mittlerweile fühle ich mich aber als wäre ich gar nicht weg gewesen.

In unsere WG ist nun Stella gezogen, die sich mit mir ein Zimmer teilt, da es einige Differenzen mit unserer vorigen Mitbewohnerin gab , die nun in die große ViA-WG gezogen ist.
Was freue ich mich wieder hier zu sein und meine Freunde hier um mich zu haben!

Am Montag bin ich wieder arbeiten gewesen und wurde auch dort sehr herzlich in Empfang genommen, geknuddelt und geherzt. Die Kinder aus meiner Klasse haben sich besonders gefreut. Die Arbeit mit ihnen macht mir sehr viel Spaß. Mittlerweile sind es 5 Schüler. Sie haben so tolle Fortschritte gemacht und sind sehr motiviert. 
Insgesamt werde ich wohl mit den Stunden etwas runtergehen und meine Aufgaben werden sich auch nochmal ändern. In dieser Hinsicht war es eigentlich ganz hilfreich, Zeit zu haben die Arbeit zu reflektieren und auch meine Kollegen haben gesehen, wo meine Unterstützung vielleicht mehr gebraucht wird als in anderen Bereichen.

Bis bald, á bientôt,

Tabea

Montag, 20. Februar 2017

Perspektiven wechseln, Grenzen überschreiten, voneinander lernen - Was können Freiwilligendienste?

„Ach, du machst einen Freiwilligendienst hier? Was hast du denn studiert oder arbeitest du schon?“
„ Wie alt bist du überhaupt?“
„Und wer bezahlt das?“
„Müssen alle in Deutschland nach der Schule etwas freiwillig machen?“

„Wieso hast du genau Togo ausgesucht?“

„Sind da denn überhaupt noch Leute? Die sind doch jetzt eh alle hier in Europa.“
„Willst du denn auch mal einen Afrikaner heiraten?“
„Kannst du dir vorstellen dort Kinder zu bekommen und zu bleiben?“
„Hilfe wird doch auch hier gebraucht. Dazu musst du ja nicht nach Afrika gehen.“

Ja, so ein Freiwilligendienst bringt so einige Fragen und auch Zweifel mit sich. Nicht nur bei den Teilnehmenden selbst, sondern auch bei den Menschen aus unserem Familien- & Freundeskreis, unseren Kollegen und Bekannten im Gastland und vielen Anderen. All die Sätze und Fragen oben sind mir genauso begegnet – teils in Togo und teils  in Deutschland und zeigen, dass es noch viel Redebedarf gibt.

Ich kann keinen Gesamtüberblick über die Entwicklungszusammenarbeit Deutschlands geben und auch nicht für die verschiedenen Dienste sprechen, aber möchte die Chance trotzdem nutzen, aus meiner Sicht, von meinen Erfahrungen mit „weltwärts“ zu berichten und zum Nachdenken anzuregen.

Die Idee zu diesem Beitrag kam mir beim Schauen eines Videos, erstellt von einer Hilfsorganisation namens ‚Luket Ministries‘, die tätig ist in Uganda. Aufmerksam auf das Video wurde ich über einen Artikel in der GEO (Ausgabe 03/2017) mit dem Titel „Dürfen Missionarinnen Rap-Videos drehen?“



In mir keimte die Frage auf: „Wie weit geht ein Freiwilligendienst und wie weit dürfen Freiwillige gehen?“

Um auf die Suche nach einer Antwort gehen zu können, ist es wichtig die verschiedenen Möglichkeiten eines solchen Dienstes zu unterscheiden, wobei ich aus meiner Perspektive erzählen möchte.
Bei „weltwärts“ handelt es sich um einen im Jahre 2007 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ins Leben gerufenen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst.
Dieser versteht sich vor allem als Lerndienst, der „den Interessen junger Menschen an einem entwicklungspolitischen Engagement Rechnung tragen und gleichzeitig einen wirkungsvollen Beitrag zur Entwicklung in den Einsatzländern sowie zur entwicklungspolitischen Inlands- & Bildungsarbeit in Deutschland leisten soll.
Unter dem Motto „Lernen durch tatkräftiges Helfen“ sollen Ziele in den drei Dimensionen: „Globales Denken, Partnerländer und Inland“ verfolgt werden. Unter anderem soll das Verstehen, Wertschätzen der Vielfalt von Leben und Entwicklung gefördert werden sowie das globale Denken und Verstehen. Die Freiwilligen erwerben Qualifikationen und Erfahrungen und sollen später als Multiplikatoren*innen (in ihrem Herkunftsland) tätig werden. Darüber hinaus wird ein Beitrag zur Selbsthilfe und Stärkung der Partnerprojekte erbracht.“ [1]

So viel zur Theorie, aber wie sieht es in der Praxis aus?

Da es sich um einen Lerndienst handelt, werden von jeder Entsendeorganisation 25 Seminartage organisiert, die aufgeteilt vor, während und nach dem Dienst stattfinden.
Während des Vorbereitungsseminars haben wir uns nicht nur über persönliche Themen wie die eigene Motivation, mögliche Herausforderungen und eigene Erwartungen u.v.m. ausgetauscht, sondern auch viel sachliches Hintergrundwissen über die koloniale Vergangenheit, Entwicklungszusammenarbeit, die Vermeidung von (positivem) Rassismus und Klischees,… gelernt.
Uns wurde immer mehr bewusst, dass es sich um einen Lerndienst handelt, da vor allem wir von den Menschen vor Ort und viel über globale Zusammenhänge lernen werden.
Keiner von uns ging mit der Illusion, „den Kontinent zu retten“.
Es gibt viel Kritik an diesem Programm und überhaupt am Konzept der Freiwilligendienste. Ich denke, jeder Freiwillige muss sich dem stellen, um für sich heraus zu finden, ob er das, was er tut, wirklich vertreten kann

"Who wants to be a Volunteer?"

Der Großteil der „weltwärts“-Freiwilligen absolviert seinen Dienst direkt nach dem Abitur ohne abgeschlossene Berufsausbildung oder ein voriges Studium, was den eigenen Wirkungsbereich einschränkt.
Wir kommen quasi mit einem weißem Blatt Papier, was sich Abitur nennt, aber was berechtigt uns damit gleichwertig mit studierten oder ausgebildeten Menschen zu arbeiten?

Diese Frage wurde mir in Deutschland als auch in Togo gestellt und ich finde es immer wieder schwer, darauf zu antworten, da es mein größter Zweifel vor der Bewerbung war, ob das jetzt der richtige Zeitpunkt sei für einen Freiwilligendienst.
Für mich war ausschlaggebend, dass die Projektstellen grundsätzlich unabhängig von den Freiwilligen arbeiten sollen. Sie verstehen uns also nicht als Arbeitskraft, die nicht bezahlt werden muss, sondern als „Plus“, welches das Projekt durch einen interkulturellen Austausch von Erfahrungen, Ansichten und Arbeitsansätzen bereichern kann.
Dabei kann es auch hilfreich sein noch ungeprägt durch die Arbeitswelt in das Projekt zu gehen, da man so sehr flexibel und offen ist für die kommenden Aufgaben.
Dabei ist klar, dass wir die uns gestellten Aufgaben nicht besser bewältigen als Menschen vor Ort, sondern vielleicht eher einen anderen Ansatz wählen und das darin wohl der größte Nutzen unserer Anwesenheit besteht: im Austausch miteinander.

Aus eigener Erfahrung würde ich sagen, dass ich durch meine Arbeit im Projekt unheimlich viel lernen kann, meine Fähigkeiten erweitere, vor allem soziale Kompetenzen, aber auch fachliche.
Man wird sehr anpassungsfähig, kreativ – vor allem in der Arbeit mit Kindern, im Unterrichten und lernt viel durch den gemeinsamen Umgang, aber auch durch das Beobachten der Kollegen oder Kinder untereinander. Wir lernen eine neue Kultur kennen und sind oft das erste Mal in einem festen Arbeitsprozess eingebunden bei dem man sich mit Kollegen abspricht, Planung betreibt und auch feste Voraussetzungen zu erfüllen hat (Schule basiert ja ab einem gewissen Alter auf Freiwilligkeit und eigener Leistungsbereitschaft).
Die Arbeit mit den Kindern, ihnen lesen, schreiben, rechnen beizubringen, mit ihnen zu basteln, ihnen zuzuhören -  Das machen meine Kollegen mit jahrelanger Erfahrung. Ich kann also nur versuchen, es ihnen gleichzutun, sie so gut es geht zu unterstützen und mich bestmöglich einbringen zum Beispiel mit einigen neuen Ansätzen und Ideen.

Aber vor allem kann ich während und nach diesem Jahr versuchen den Austausch zwischen den Kulturen weiterhin zu unterstützen. Gewisse Klischees aufklären, meine Erfahrungen teilen, Interesse am Anderen wecken und aufmerksam machen auf das, was außerhalb unseres durchschnittlichen medialen Neuigkeitenkreises passiert.
Wir können also doch Einiges tun - vor allem viel in unserem Heimatland, das globale Denken voran- und in gesellschaftliche Debatten neue Blickwinkel einbringen.
Das ist etwas, was ich für sehr sinnvoll halte. Dass junge Leute die Chance erhalten, ihren Blick auf die Welt zu erweitern und ihre Erfahrung zu verbreiten, um ihre Zukunft mitzubestimmen.
Das schließt vor allem nicht aus, sondern fördert auch ein weiterführendes Interesse an der Entwicklungszusammenarbeit und dann vielleicht mit angeschlossener Ausbildung oder Studium.

Unsere Reise beginnt schon lange bevor wir ins Flugzeug steigen, indem wir uns mit der Idee eines Freiwilligendienstes auseinandersetzen, uns über mögliche Gastländer informieren, dann spricht man das erste Mal über sein Vorhaben.
Wir bauen uns einen Förderkreis auf und treten zu immer mehr Menschen in Kontakt, hören Zuspruch, aber auch viel Kritik – beides wird uns letztendlich beschäftigen.
Während des Jahres erfahren wie so viel Neues, unser Weltbild erweitert sich, verändert sich und wir setzen uns kritisch mit vielen globalen Fragestellungen auseinander und beginnen Zusammenhänge auf der Welt besser zu verstehen. All das teilen wir mit unseren Mitmenschen - in Blogs, Telefonaten, Mails, Gemeindebriefen, Zeitungsartikeln,…
Und auch nach unserer Rückkehr werden wir weiter über das Erlebte sprechen, es verbreiten und es wird immer ein Teil unseres Lebens sein, der in uns steckt, uns vielleicht auf neue Wege bringt an die wir vorher nie gedacht haben und uns zu Entscheidungen verleitet, die wir mit neuem Wissen treffen können.

Bei diesem Prozess müssen wir Freiwilligen Land und Leuten respektvoll begegnen und uns auf das, was uns vor Ort erwartet, einlassen. Wir dürfen nicht denken, dass die Art und Weise, wie wir Sachen angehen, besser ist, sondern müssen verstehen, warum wir Dinge unterschiedlich angehen und inwiefern wir beim Austausch etwas voneinander lernen können.
Die Illusion, die Welt lässt sich vom einen auf den anderen Tag ändern, bringt niemanden weiter. Der Glaube, dass jeder von uns die Welt jeden Tag ein wenig besser machen kann, schon.
Vielleicht kann ich jetzt nicht als Ingenieur helfen, die Wasserversorgung zu verbessern, als Arzt operieren oder als Krankenschwester helfen, aber mit jedem neu-gelernten Buchstaben, mit jedem Lächeln, mit jedem gutem Gespräch in dem man seinem Gegenüber Aufmerksamkeit schenkt, habe ich doch trotzdem etwas erreicht.


Anbei noch einige Quellen mit denen ihr euch selbst ein Bild machen könnt zum Umgang mit Freiwilligenarbeit. Vor allem die Videos sind zu empfehlen - Schmunzel-Garantie. ;-)

[1] = Frei nach BMZ-Evaluierungsbericht 056, „Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst ‚weltwärts‘“
 
„Let’s save Africa! - Gone wrong"



„Africa for Norway – Radi-Aid“
https://www.youtube.com/watch?v=oJLqyuxm96k&spfreload=10

„Egotrip ins Elend.“, Süddeutsche Zeitung
http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/24384

Freitag, 6. Januar 2017

Jeder schöne Moment kann später die schmerzvollste Erinnerung werden und doch wird es uns immer wieder hinausziehen in die Welt.

"Ich glaube, eine Reise beginnt nie mit dem Tag des Abflugs. Sie beginnt bereits mit der Entscheidung zu gehen." 
Gesa Neitzel in "Frühstück mit Elefanten"
 
Vielleicht ist unser Herz wie ein Puzzle. Überall kann man ein Teil finden, was uns weiter vervollständigt, was uns weiter wachsen lässt, zu uns passt.
Seien es Orte, die wir entdecken, Menschen, die uns begegnen und vielleicht auch begleiten auf unserem Weg, oder besondere Momente, denen wir teilhaben.
In all diesen Momenten, während dieser Begegnungen lernen und wachsen wir, werden wir bereichert. Doch gleichzeitig habe ich das Gefühl, wird ein Stück unseres Herzens für immer an diesem Ort bleiben oder bei dieser Person. So ist jede Reise von einem Geben und Nehmen geprägt. Jeder schöne Moment kann später die schmerzvollste Erinnerung werden und doch wird es uns immer wieder hinausziehen in die Welt. Wir werden weitersammeln, unsere Persönlichkeit wird sich verändern und an jedem neuen Ort werden wir ein Stück unserer Seele lassen.

Das trifft wohl meinen aktuellen Zustand am besten. Irgendwo dazwischen. Ein bisschen zwischen zwei Welten.

Meine Reise hatte lange vor dem Abflug im August 2016 begonnen. Los ging es als ich das erste Mal im Herbst 2013 im Internet recherchierte über einen Auslandsaufenthalt in Afrika. Ein Kontinent, der so weit entfernt und riesig wirkt, dass ich gar nicht wusste, wo ich anfangen sollte, zu suchen. Bis hin zur Nachricht, dass ich ins Centre KEKELI nach Lomé gehen kann.
Die erste zaghafte Überlegung wächst, ob man sich 'das' zutraut, ob 'das' überhaupt zu einem passt, und weicht auf einmal der Gewissheit, wo man das nächste Jahr lebt, schon hält man ein Flugticket in den Händen. All das ist ein Weg auf dem man sich entwickelt, Entscheidungen trifft und das Fernweh letztendlich mehr und mehr vom Reisefieber abgelöst wird.
Am Abflugtag verspürte ich dann eine Mischung aus Angst, Neugierde, Vorfreude und Unglauben, dass es nun wirklich soweit ist. Ein Jahr in Togo. Ein Jahr weltwärts.
Doch ganz so geradlinig sollte mein Weg nicht verlaufen und ich muss aus gesundheitlichen Gründen gerade einen Stopp zu Hause einlegen.


Deutschland empfing mich mit kalten Temperaturen und Nieselregen und ich stieg als einziger Mensch ohne dicke Jacke aus dem Flugzeug - hatte ich ja erwartet erst im August wiederzukommen. Mit dem Mitarbeiter in Berlin bei der Passkontrolle sprach ich französisch, obwohl er ja meinen deutschen Pass in den Händen hielt, einfach weil alles andere mir so komisch, so falsch vorkam.
"Hier bitte, Tschüss." "Merci, au revoir."
Hatte ich doch kaum Zeit gehabt, mich auf den Abflug und den Abschied vorzubereiten, so unwirklich fühlte sich das Ganze nun an.


Zuhause angekommen empfing mich nicht die Vertrautheit, auf die ich gehofft hatte, sondern Irritation. Plötzlich sah alles so anders aus für mich. Ich glaube, ich stand fast fünf Minuten in unserer Küche und habe einfach nur wiederholt, wie "komich, irgendwie so komisch" ich alles finde.

Abends dann in einem großen Bett zu liegen, eingekuschelt unter zwei dicken Bettdecken mit dicken Socken an den kalten Füßen - Das war etwas, was in Togo bei 32/33 Grad im Zimmer nachts undenkbar ist. 

Obwohl uns genau das oft in Togo fehlte, fiel es mir schwer einzuschlafen. Die Stille dröhnte in meinen Ohren. In unserer WG hatten wir keine Fensterscheiben, sondern nur Moskitonetze und Lamellen zum Klappen, wodurch wir eigentlich immer von Geräuschen umgeben waren. Topfklappern der Nachbarn, Kinder nebenan, die spielten oder weinten, der Aufruf zum Gebet in der Moschee nicht weit von uns, die Motos auf der Straße, die Musik aus der Bar oder das morgendliche Bibelradio der Nachbarn ab sechs Uhr morgens. Daran hatte man sich gewöhnt.
Somit war meine erste Tat jetzt nach dem Aufwachen, den Fernseher einzuschalten, um Geräusche um mich zu haben. Etwas was ich vorher bei Anderen nie verstanden habe.

 
Das Ankommen viel mir schwer, hatte man sich doch sehr an seinen Alltag "weltwärts" gewöhnt. Oftmals fehlen mir einfach die Kleinigkeiten, die einem ein Lächeln ins Gesicht gezaubert haben, die den Alltag ausgmacht haben. Ich habe das Gefühl, dass man mehr Kontakt oder intensiveren Kontakt mit den Menschen hat. Man kauft an denselben Ständen ein, plaudert, verhandelt, so geht man von Stand zu Stand. Das Scherzen mit den beiden Brüdern, denen der Laden in unserer Straße gehört, wenn das Verhandeln mit den Motofahrern gut klappt. Sowas eben.
Hier hetzten in der Innenstadt alle aneinander vorbei mit verschlossenem Gesicht in letzter Eile, alle Weihnachtsgeschenke zu finden, die Menschenmassen erdrückten mich fast.


Ich würde gern wieder bei strahlender Sonne aufs Moto steigen, ins Centre fahren und arbeiten, mit meinen Kollegen quatschen und "meine" Kinder sehen. Beim Abschied sagte mein Chef zu mir: "Deine Kinder fragen jeden Tag, wo ihre Tata Tabea ist." Natürlich freut mich das, aber es macht mich gleichzeitig auch traurig.
So fehlt mir vor allem auch die Zeit mit meiner lieben WG, die eine Ersatzfamilie für mich geworden ist, und unsere Freunde. Umso schöner ist es, von allen zu hören, regen Kontakt zu halten und zu wissen, dass ein Zuhause mit lieben Menschen auf mich wartet.


"Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern wo man verstanden wird."
 Christian Morgenstern


Heimat hat man nur eine, aber ich glaube, "Zuhauses" kann man mehrere haben. 

Nun eben wieder zu Hause in Deutschland. Alltägliche Dinge boten unbekannte Freude, wenn auch alles erst einmal etwas ungewohnt war. Ein Glas Wasser einfach aus der Leitung trinken, eine warme Dusche, die Waschmaschine oder der Geschirrspüler. Alles Dinge, die den Alltag erleichtern, aber auf welche wir ja in Togo quasi bewusst verzichtet haben. Da wird der Luxus, den unser Standard hier ermöglicht, deutlich.

Was mich wirklich erschrocken hat, war wie viel Zeug in meinem Zimmer war. Vor allem die vielen Klamotten, der Schmuck, die Schminke. Ich würde behaupten, dass ich damit in meiner Altersklasse in Deutschland völlig im Durchschnitt liege, aber wenn man erst einmal mit weniger gut auskommt (siehe Gepäckbeschränkung :-D ), sieht man doch, wie viel sich zu Hause im Schrank angesammelt hat. Ich glaube, meine erste Überlegung war tatsächlich, wie viele Mädchen ich damit eigentlich einkleiden könnte.

Es ist einfach prägend, wenn man sieht, dass viele der Mädchen, die zu uns ins Centre kommen und ihr Zuhause damit oft r unbestimmte Zeit verlassen, oft nur eine Tasche in der Größe Handtasche bis Sporttasche dabeihaben.
Ich will "das Haben" aber gar nicht verteufeln, denn jetzt und hier bereiten mir diese Dinge Freude so wie auch die Mädels im Centre sich über neue Sachen freuen.
Ich freue mich auch, in den Supermarkt gehen zu können und beinahe alles, was das Herz begehrt, kaufen zu können. (Auch wenn mir nun nochmal viel bewusster ist, dass es nicht normal ist, dass wir beispielsweise das ganze Jahr über exotische Früchte, die nicht in Deutschland wachsen, kaufen können.)
Ich denke, es ist einfach wichtig, dass wir wissend und bewusst konsumieren.


Natürlich freut man sich auch über so einige Dinge zu Hause. Vor allem war es schön Familie und Freunde wiederzusehen! Hier bin ich großgeworden, diese Menschen kennen mich in- und auswendig. Es ist schön so lieb empfangen zu werden und all die bekannten Gesichter um sich zu haben und zu merken, dass sich zwar viel verändert hat in den letzten Monaten, aber manche Dinge bleiben einfach unveränderlich. ♥ (Dazu zählt auch der gute Geschmack Omas Apfelkuchen). Nachdem ich nun viele Wochen in Togo krank war, ist es gut zu wissen, dass ich hier nun durchgecheckt und behandelt werde. Insgesamt ist krank-sein im Ausland (fernab der elterlichen Pflege ;-) ) einfach eine unschöne Sache.
Ich weiß, dass es für meine Gesundheit und meinen Körper die richtige Entscheidung war, was das Vermissen und den Abschied erträglicher macht. Ich hoffe einfach, schnell gesund zu werden und zurück zu können.

Denn, wenngleich hier ja quasi alles behandelt werden kann, gegen Reisefieber und Fernweh ist wohl noch keine wirksame Pille erfunden worden. ;-)

Macht's gut, bis bald, 

à bientôt,

Tabea


Ich atme dich ein
Und nie wieder aus
Schließ' dich in mein Herz
Lass dich nicht mehr raus
Ich trage dich bei mir
In meiner Brust
Hätt' alle Wege verändert
Hätt' ich sie vorher gewusst

Philipp Poisel - Eiserner Steg


Du verlässt deinen Ort,
du verlässt deine Freunde
für immer und jetzt,
für immer und fern.
Du bist kurz davor und dann
kommen die Zweifel
gebrochen in der Hand,
die nicht mehr aufhört zu zittern.
Und dann ist da dein Herz
und dein Verstand
und irgendwo dazwischen tuts weh.
(...)


Auf der Rückbank im Taxi,
dein Pass in der Hand.
Ich wünsch dir viel Glück,
und irgendwo dazwischen tut's weh.
Bosse- Irgendwo dazwischen