Freitag, 17. März 2017

"Wie ist es denn da so?"

Hallo ihr Lieben!

Da ich nun während meines Aufenthaltes in Deutschland so einige Fragen gestellt bekommen habe und einige immer wieder, dachte ich, schreibe ich diese mal auf, da sie vielleicht noch einige mehr interessieren.

Wie warm ist es?
Als wir im August ankamen waren es im Schnitt um die 28 Grad, da es der kälteste Monat ist. Momentan ist es jedoch sehr warm, bis zu 45 Grad, und wird Richtung Regenzeit, die im Mai langsam kommt, wieder kühler. Anstrengend ist für uns jedoch vor allem die Luftfeuchtigkeit, die sehr hoch ist.

Cremst du dich jeden Morgen mit Sonnencreme ein?
Zum Glück nicht, es ist auch so klebrig genug. :-D Hier befindet man sich, soweit es sich vermeiden lässt, nicht in der direkten Sonne, weil es einfach zu warm ist. Wir cremen uns höchstens ein,wenn wir mal an den Strand gehen.

Wie fährt man Moto?
Ein freies Moto zu finden ist aber der Anzahl an Fahrern nicht schwer. Eigentlich reicht es am Straßenrand zu warten (wenn man einen Helm bei sich hat, wird man sowieso erkannt).
Freie Motos machen durch Hupen auf sich aufmerksam, allerdings gibt es auch andere Gründe zum Hupen. Ansonsten rufen die Fahrer auf Ewé "Oleyah?" so etwas wie "Fahren wir?".
Man kann auch auf sich aufmerksam machen indem man die Hand hebt oder eine "Komm her" Bewegung macht. Sehr verwirrend, da man die Hand vom Körper wegbewegt sowie bei uns "Geh weg". Viele machen auch "ksss"-Laute oder ein schmatzendes Geräusch, indem man den Mund wie zum Pfeifen formt und die Luft einzieht.
Ist ein Moto gefunden, gibt man das Ziel an. Es gibt zwar auch einige Straßennamen, aber man nutzt diese nicht. Stattdessen orientiert man sich an Kreuzungen, Schulen, Märkten etc. und sagt ab dort den weiteren Weg an.
Der wichtige Teil sind allerdings die Preisverhandlungen. Diese sollte man machen bevor man fährt, denn sonst verlangt der Fahrer oft im Nachhinein einen höheren Preis als man selbst erwartet hat.
Wenn das alles erledigt ist, steht der Fahrt nichts mehr im Wege. Wie man auf Ewé sagt "Midjo". (Los geht's.)

Sind die Leute denn alle arm?
Armut ist natürlich eine Perspektivenfrage. Bei uns kann jemand mit einem Einkommen von einigen hundert Euro im Monat als arm gelten. Die Armutsgrenze variiert von Land zu Land.
Schlägt man sich mal durch den Dschungel aus Statistiken findet man verschiedene Angaben. Es leben wohl zwischen 30%-70% (keine sehr genaue Angabe, ich weiß) der togoischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Diese Zahl spricht für sich. Es gibt natürlich auch sehr wohlhabende Leute. Es kommt mir so vor, als wenn die Spanne zwischen arm und reich nicht so stark auseinander liegt wie in beispielsweise Deutschland oder Südafrika. Das Leben ist in vielen Hinsichten anders als in Europa, aber die Bilder von Slums, Kindern mit Hüngerbäuchen und Fliegen in den Augen, die in unseren Medien oft mit Afrika in Verbindung gebracht werden,prägen unseren Alltag nicht.

Aber die Menschen sind ja arm trotzdem glücklich, oder?
Die Frage wurde mir so häufig gestellt! Niemand ist glücklich, der nicht weiß, ob es am Monatsende reicht, um sich lebenswichtige Dinge zu finanzieren. Wenn eine Mutter zu uns ins Projekt kommt und um Unterstützung bittet, da sie das Schulgeld nicht mehr zahlen kann und das Kind sonst mit ihr arbeiten muss, ist sie nicht glücklich.
Wenn ein Mensch hier verstirbt, da er sich den Arzt nicht leisten kann. Sind seine Angehörigen "trotzdem glücklich"?
Ich denke, die Absurdität der Frage liegt auf der Hand.
Aber ja, die Menschen leben ihr Leben trotzdem. Der Alltag hier kommt mir oft im Vergleich zum Unseren in Deutschland härter vor, sind bei uns viele grundlegende Dinge gesichert durch Versicherungen, staatliche Unterstützung, Zugang zu einem guten, kostenlosen Bildungssystem etc.
In Deutschland ist meckern auf hohem Niveau ein Luxusproblem, was sich die meisten Menschen hier nicht leisten können.

Ist es gefährlich?
Auch diese Frage lässt sich natürlich nicht eindeutig beantworten. Ich fühle mich sicher hier, wir können abends ohne Probleme ausgehen oder bei der Bank Geld holen ohne danach einen Überfall zu fürchten. Vorsichtig sein sollte man aber immer. Abends allein durch die Straßen spazieren geht nicht. Sollte man aber in den Vierteln einiger deutscher Großstädte auch nicht tun. In London, Paris und Co. muss man auch auf seine Handtasche achtgeben und nicht offen rumtragen.
Insgesamt gilt Togo aber als eines der sichersten Länder Afrikas. Da es verhältnismäßig wenig Tourismus gibt, gibt es auch keine Kleinkriminellen, die sich auf den Diebstahl bei Weißen, also vermutlichen Touristen, spezialisiert haben und davon leben können. Trotzdem ist es eine Hauptstadt in der viel los ist. Also...Vorsicht gehört dazu, man sollte auf sein Bauchgefühl hören und auch Glück gehört wohl dazu.

Nachtrag: Gibt es dort Strom,Wasser und Internet?
Am Bestehen des Blogs kann man sich wohl schon 2 Punkte selber erklären. Wir nutzen hauptsächlich das Internet unserer SIM Karten oder Internet Cafés, es gibt aber auch Internetsticks oder die Möglichkeit sich WLAN installieren zu lassen.
Wir haben in unserer Wohnung fließendes, kaltes Wasser. Viele unserer Nachbarn haben einen solchen Zugang nicht. Das ist also nicht grundsätzlich zu sagen. Bis auf einige Ausfälle von Wasser oder Strom von Zeit zu Zeit, gibt es also kaum einen Unterschied für uns. Ärgerlich wird es nur, wenn man gerade einshampooniert unter der Dusche steht und auf einmal kein Wasser mehr kommt... :-D

So, diese sind mir erstmal am meisten im Gedächtnis geblieben.
Die Fragen "Was gibt es da so zu essen?" und "Was machst du den ganzen Tag so?" beantworte ich nochmal extra. ;-)

Auf die Frage, wie es hier so ist, kann ich nur für mich sprechen... Ich bin sehr glücklich, genieße das Leben hier und bin froh, die Chance erhalten zu haben, in diesem Land einige Zeit zu leben und viele tolle Bekanntschaften machen zu können.

Ganz liebe Grüße,
à bientôt

Tabea

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