Freitag, 16. September 2016

Nah und fern - Neu und vertraut

Nun sind wir schon fast einen Monat in Togo. Ich kann es kaum glauben, da die Zeit so schnell verging.
Viele Dinge sind schon so normal und alltäglich geworden,dass sie uns kaum mehr auffallen. Wir haben uns gut zurecht gefunden, kennen uns im Viertel immer besser aus und sind viel unterwegs.

Gleichzeitig entdecken wir immer wieder Neues, vor allem lernen wir allmählich auch tiefgründige Themen kennen.
Mit einem Freund haben wir uns vor ein paar Tagen sehr lang unterhalten und er erzählte uns, dass die politische Lage, vor allem Korruption, nach wie vor ein großes Problem sei, was sich besonders auf die Lage der jungen Menschen auswirke.
Es gäbe hier sehr viele Studenten und Studierte ohne Jobperspektiven. Uns ist es schon häufig passiert, dass uns die Motofahrer von ihrem abgeschlossenen Studium erzählten, aber jetzt müssten sie Moto fahren, um überhaupt Geld verdienen zu können.
Ein Sprichwort hier besagt: "Wenn du geboren bist und arm bist, ist es die Schuld deiner Eltern. Wenn du stirbst und arm bist, ist es deine eigene Schuld." Doch ohne Jobs mit ausreichendem Lohn, um sich selbst oder gar eine Familie zu ernähren, kann man den Kreislauf der Armut nicht durchbrechen und zum Anderen fehlt das Geld auch in der Wirtschaft, denn wer kein Geld hat, kann auch keins ausgeben. Dadurch ist es für Geschäfte oder Dienstleister ebenso schwer, zu überleben.
Ich möchte allerdings daraufhin hinweisen, dass ich nach so wenigen Wochen im Land nicht in der Lage bin, mich ausführlich zu diesem Thema zu äußern oder es vollkommen korrekt zu beurteilen. Ich kann euch lediglich an meinem jetzigen Eindrücken teilhaben lassen.

Unsere Wochen sind auch von viel Erfreulichem geprägt!
Wir unternehmen wie schon gesagt viel und tauchen mehr und mehr in die neue Kultur ein.

Zum einen waren wir am Strand. :-)
Für mich als 'Küstenkind' war das ein besonders toller Ausflug. Sand unter den Füßen , das Wellenrauschen hören und die salzige Luft...mit geschlossenen Augen kam es mir für einen Moment vor als würde ich wieder am Kühlungsborner Ostseestrand stehen.
Als ich die Augen aufschlug, sah ich die Palmen, die sich im Wind wiegten und der Gedanke, wie weit zu Hause weg ist, wog bei diesem Anblick nicht schwer.
Schwimmen gehen wie daheim kann man hier jedoch nicht, da die Wellen viel zu hoch sind und der Sog wirklich stark. So kann man lediglich bis zu den Knien ins Wasser gehen und ein bisschen herumplanschen. Spaß macht es trotzdem und bei den angenehmen Wassertemperaturen sowieso!
Wasser stellt hier zu Lande aber auch eine viel größere Gefahr da, weil viele Menschen nicht schwimmen können.

Eine weitere schöne Erinnerung ist der "Togoische Abend", den unsere Freunde organisiert hatten.
Wir aßen das Nationalgericht Fufu mit Erdnusssoße, probierten hier übliche Getränke wie Sodabi (falls man das so schreibt), Palmwein und Chouck. (Salzige Bier). Fufu schmeckt mir sehr gut, die Getränke dafür eher nicht.
Außerdem war eine Trommelgruppe engagiert worden, traditionelle Stoffe wurden getragen und landestypische Tänze wurden uns auch gezeigt. Vor dem Essen standen die Togoer alle nacheinander auf, um ein paar Minuten etwas über die Kultur in ihrer Heimatstadt oder der Region, aus der sie stammen, zu erzählen. Insgesamt ein gelungener, interessanter Abend.

Heute hatten wir unser Seminar, da nun seit Montag alle Freiwilligen von VIA e.V. in Togo angekommen sind.
Das Seminar wurde von unserer Partnerorganisation ASEVEC organisiert und alle Vereinsmitglieder waren da sowie unsere Ansprechpartner aus den Projekten, die wir heute das erste Mal trafen.
Es war ein vielseitiges Programm - von Kennenlernspielen, Gebeten, einem Vortrag über Togo  (Geografie, Bevölkerung, Geschichte und Politik ) bis zu einer Rede über die Bedeutung von Freundschaft war alles dabei.
Am besten hat mir gefallen, dass wir ein Blatt bekommen haben, auf dem wir unsere Befürchtungen, Erwartungen und Wünsche aufschreiben sollten. Das Selbe taten auch unsere Zuständigen aus den Projekten und nach dem gegenseitigen Vortragen entstand ein sehr guter Austausch.
Meine Betreuerin bot mir an, am Montag ins Centre KEKELI zu kommen, um mich vorzustellen und um mir alles zu zeigen. Die Arbeit mit den älteren Kindern beginnt erst Mitte Oktober, wenn die Ferien zu Ende sind, aber durch die vielfältigen Aufgaben gibt es auch jetzt schon etwas zu tun. Ich freue mich sehr bald meine Einsatzstelle zu sehen und die Kollegen kennenzulernen. Ich erhalte die Chance langsam einzusteigen und mich mit den Abläufen vertraut zu machen bevor es in einem Monat richtig rund geht (so die Worte meiner Betreuerin).

Zu mir persönlich kann ich sagen, dass es mir nach wie vor hier sehr gut geht und ich mich wohl fühle. Meine WG ist zu einer kleinen Familie zusammen gewachsen und wir sind alle sehr motiviert demnächst in die Arbeit einzusteigen.

Abschließend möchte ich mich gern nochmal für die Nachrichten und Grüße aus der Heimat bedanken. Danke für eure Unterstützung!

Ganz liebe Grüße aus Lomé,
à bientôt,
Tabea

PS: Auf den Bildern seht ihr den Coco Beach, die Trommelgruppe, unsere neuen Ewé-Vokabeln und eine Straßenszene aus unserem Viertel.

Und wem Bilder und Berichte nicht reichen, der kann sich gern mal den neuen togoischen Superhit "Teré,Teré" von TOOFAN anhören. Unser Dauerohrwurm seit Wochen.

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